Ratgeber

Soldatinnen und Soldaten, die von einer PTBS oder einer anderen Einsatzfolgestörung betroffen sind, sowie deren Angehörige sehen sich oft Lebenssituationen gegenübergestellt, in denen sie nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten sollen. Mit unserem Ratgeber möchten wir ihnen konkrete Anregungen geben, wie sie in typischen Situationen angemessen handeln können.

Wie eine PTBS und andere psychische Einsatzfolgeerkrankungen im Umgang mit anderen Menschen kommuniziert werden können

Häufig kommt es in Partnerschaften oder im Familienkreis zu Unsicherheiten, wenn es darum geht, wie die seelische Verwundung eines Soldaten oder einer Soldatin im Kontakt zu anderen Menschen kommuniziert werden soll. Manche Menschen zeigen wenig Interesse am Befinden des Betroffenen, andere erwarten ständig detaillierte Informationen und Erklärungen, wieder andere sind irritiert, wenn der Betroffene in ihrer Gegenwart unverständliche Verhaltensweisen zeigt.

Die folgenden drei Grundsätze erleichtern den Umgang mit einer psychischen Einsatzfolgestörung:

  1. Eine psychische Erkrankung ist nichts, wofür man sich schämen muss.
  2. Sie sind niemandem dazu verpflichtet, persönliche Auskünfte über Ihren Gesundheitszustand oder den Ihres Partners oder Angehörigen zu geben, wenn Sie dies nicht wollen oder es Ihnen unangenehm ist.
  3. Es ist sehr hilfreich, innerhalb einer Lebensgemeinschaft eine gemeinsame Vorgehensweise festzulegen, wie gegenüber anderen Menschen die psychische Erkrankung eines Mitglieds der Gemeinschaft und daraus resultierende Verhaltensweisen erklärt werden sollen.

Diese Möglichkeiten gibt es, wie eine psychische Erkrankung nach draußen kommuniziert werden kann:

  • Es wird mit allen Menschen offen über die Erkrankung und die Symptome geredet.
  • Es wird nur mit einigen vertrauten Menschen offen über die Krankheit und die Symptome geredet, andere Personen erhalten nur vage Informationen.
  • Die Krankheit wird so weit wie möglich verschwiegen.

In der folgenden Tabelle sind einige typische Situationen benannt, in denen im Alltag oftmals Erklärungsbedarf gegenüber anderen Menschen besteht und welche Reaktionen darauf möglich sind.

SituationErklärungsmöglichkeit für Angehörige
Die psychisch belastete Person erscheint nicht wie vereinbart zu einem Treffen.„Sie muss sich um etwas anderes kümmern.“
„Er fühlte sich heute nicht gut.“
Die psychisch belastete Person zeigt unverständliche Verhaltensweisen.„Er hat einiges erlebt, das er noch verarbeiten muss. Wir bekommen aber professionelle Hilfe.“
Bohrende Fragen nach dem Verhalten oder dem psychischen Befinden des Angehörigen.„Er muss sich erst wieder an das zivile Leben gewöhnen.“

Tipp

Vielen Menschen ist es unangenehm, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen und über persönliche Probleme zu reden. Der Austausch mit anderen Menschen kann aber eine Bereicherung sein. Langfristig lässt sich dadurch auch ein effektives Netzwerk zur sozialen Unterstützung aufbauen.

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Wichtig

Seien Sie froh, um jede Person, die Sie in Ihrer schwierigen Lage unterstützt. Scheuen Sie aber auch nicht davor zurück, Kontakte zu Menschen abzubrechen, die Sie eher belasten als Ihnen unterstützend zur Seite stehen.

 

Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn eine Person

  • langfristig kein Verständnis für Ihre Lage aufbringt,
  • Ihr Vertrauen missbraucht, indem sie etwa vertrauliche Informationen weitergibt,
  • Sie mehrmals trotz zugesagter Unterstützung im Stich lässt.

Wie man mit sozialer Zurückgezogenheit umgehen kann

Zu den Symptomen einer PTBS oder einer anderen psychischen Einsatzfolgestörung gehört meist auch der Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Partner und Familienmitglieder betroffener Soldatinnen und Soldaten stehen dann oft vor einem Dilemma. Einerseits möchten sie weiterhin mit der erkrankten Person gemeinsam Dinge unternehmen. Andererseits fürchten sie, der Betroffene könnte sie in der Öffentlichkeit in Verlegenheit bringen, indem er beispielsweise Angstreaktionen, Gereiztheit oder ein anderes Verhalten zeigt, für das sie sich schämen. Aus Besorgnis um den Betroffenen möchten sie ihn aber auch nur ungerne alleine lassen, um selbst soziale Kontakte zu pflegen. Dadurch geraten Angehörige nicht selten selbst in die soziale Isolation.

Mit diesen Maßnahmen kann Zurückgezogenheit überwunden werden:

Verbringen Sie möglichst viel Zeit mit Familie und Freunden.

Dabei kann es sich um eine soziale und freudvolle Zusammenkunft handeln, wie ein gemeinsames Essen, ein Ausflug oder ein Spielenachmittag. Oft ergibt sich bei solchen Zusammenkünften die Gelegenheit, ein persönliches Gespräch zu führen. Ermutigen Sie die erkrankte Person, an solchen Treffen teilzunehmen.

Regen Sie die erkrankte Person zur Kontaktaufnahme an.

Für Soldatinnen und Soldaten kann es eine große Hilfe sein, vor allem Kontakte zu aktiven und ehemaligen Kameradinnen und Kameraden zu haben, weil sie sich von diesen am ehesten verstanden fühlen.

Nehmen Sie Möglichkeiten zur sozialen Interaktion wahr.

Vereine oder andere Gruppen bieten eine gute Möglichkeit, regelmäßig mit Menschen zusammenzukommen, mit denen man die gleichen Interessen teilt. Dies können beispielsweise Sportgruppen, Chöre, Religionsgemeinschaften oder auch Zusammenkünfte in der Nachbarschaft oder mit anderen Familien auf dem Spielplatz sein. Darüber hinaus können Sie auch bei einem ehrenamtlichen oder politischen Engagement Ihre Kontakte ausweiten.

Finden Sie Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe.

In Selbsthilfegruppen kommen Menschen zusammen, die das gleiche Problem haben und etwas dagegen unternehmen wollen. Solche Selbsthilfegruppen gibt es auch für Familienangehörige von Soldatinnen und Soldaten. Über entsprechende Angebote informieren die Ansprechstellen zur Familienbetreuung, wie der Sozialdienst der Bundeswehr oder die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. oder die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e. V.

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Wichtig

Es ist für Angehörige von psychisch Erkrankten wichtig und durchaus in Ordnung, soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch, alleine auszugehen und Freude zu haben . Tun Sie es ohne schlechtes Gewissen – auch wenn Ihr Angehöriger zu Hause bleibt, sofern er dies möchte.

Wie man mit Schlafproblemen umgehen kann

Eine PTBS und andere psychische Einsatzfolgestörungen führen oft zu Schlafstörungen. Betroffene haben Albträume, machen laute Geräusche im Schlaf oder schlafen in der Nacht nur wenig. In einer solchen Umgebung wird es auch für Angehörige schwierig, gut zu schlafen.

 

Wer sich durch seinen Partner im Schlaf gestört fühlt, probiert am besten die folgenden Maßnahmen aus:

  • Falls Sie genervt sind: Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass Ihr Angehöriger Schlafstörungen aufgrund eines Traumaerlebnisses hat. Er zeigt dieses Verhalten nicht, um Sie zu ärgern oder zu stören.
  • Bei häufig auftretenden Schlafstörungen: Schlafen Sie ab und zu in getrennten Räumen. Dann sollte aber sichergestellt werden, dass andere Zeiten und Wege der körperlichen und emotionalen Nähe gefunden werden.
  • Schreckt der Partner in der Nacht häufig auf: Helfen Sie ihm beim Entspannen, indem Sie sanft mit ihm sprechen und ihm erklären, dass er zu Hause in Sicherheit ist.
  • Helfen Ihre Maßnahmen nicht: Fragen Sie Ihren Partner, wie Sie ihn dabei unterstützen können, besser zu schlafen.
  • Belasten Sie die Schlafstörungen sehr: Sprechen Sie mit einem Arzt oder einem Psychotherapeuten darüber.

 

Manchmal schlafen Angehörige schlecht oder gar nicht, weil sie sich um den Angehörigen Sorgen machen.

Dann hilft das:

  • Versuchen Sie mit Ihrem Partner über Ihre Besorgnis­­­­ zu sprechen.
  • Schreiben Sie Ihre Sorgen nieder und lassen diese bis zum nächsten Morgen auf sich beruhen. Meist finden Sie dann von selbst eine Lösung oder Sie können sich ausgiebig mit dem Problem befassen und dann eine Lösung finden.

 

Generell kann jeder einiges für einen guten Schlaf tun. Die wichtigsten Maßnahmen für einen gesunden Schlaf sind:

Abschalten

Vor dem Zubettgehen sollte bewusst eine ruhige Phase der Entspannung gestaltet werden, die den Übergang von der Aktivität am Tag zur Nachtruhe begünstigt. Denkbar sind folgende Rituale: eine Tasse Tee trinken, lesen oder entspannende Musik hören. Dabei ist es wichtig, Aufregungen und Anspannungen des Tages abzuschütteln, damit sich der Schlaf natürlich entfalten kann.

Alkohol

Alkoholische Getränke können entspannend wirken und dazu führen, dass Menschen sich dösig und schlaftrunken fühlen. Beim Abbau des Alkohols in der Nacht stellt sich aber der gegenteilige Effekt ein und der Schlaf wird ruhelos und unruhig. Besser für gesunden Schlaf ist es, auf Alkohol am Abend zu verzichten.

Essen

Beim Einschlafen verlangsamt sich das Verdauungssystem. Schweres Essen nahe der Bettzeit kann Magenverstimmung und Sodbrennen in der Nacht hervorrufen. Vier Stunden vor dem Schlafengehen sollte nichts mehr gegessen werden. Bei Hunger empfiehlt sich höchstens ein leichter Imbiss.

Aufregung

Vor dem Schlafengehen sollte jegliche Art von Aufregung vermieden werden, zum Beispiel Streitigkeiten oder das Anschauen von Horrorfilmen.

Koffein

Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Cola, schwarzer Tee oder Energydrinks können nach dem Konsum noch vier bis fünf Stunden wirken. Sie sollten deshalb nicht kurz vor dem Zubettgehen getrunken werden.

Nickerchen

Tagsüber zu schlafen bringt den natürlichen Schlafrhythmus durcheinander. Möglicherweise ist man dann zur Bettzeit am Abend nicht mehr müde genug.

Nikotin

Nikotin verlässt den Körper etwa zwei Stunden nachdem es eingeatmet wurde. Um das Verlangen nach Nikotin mitten in der Nacht zu unterbinden, ist es am besten, das Rauchen spätestens zwei Stunden vor der Schlafenszeit einzustellen. Noch besser ist es, das Rauchen ganz aufzugeben.

Schlaftabletten

Die Einnahme eines Schlafmittels sollte nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Schlaftabletten können bei längerer Einnahmedauer abhängig machen. Manche Mittel können langfristig eingenommen Schlafstörungen auslösen.

Schlafumgebung

Eine schlaffördernde Schlafumgebung sollte ruhig, dunkel, angenehm temperiert (14° bis 18° Celsius) und sicher sein. Lärm und Licht – auch gedimmtes Licht – können den Schlaf stören oder verkürzen.

Im Bett sollten keine Aktivitäten ausgeübt werden, die auch im Wachzustand getan werden. Dazu zählen zum Beispiel lesen, fernsehen, essen, lernen, telefonieren oder den Laptop benutzen. Ansonsten könnte Ihr Gehirn darauf trainiert werden, im Bett wach zu bleiben.

Schlafzeit

Abends erst bei Müdigkeit schlafen gehen, jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen.

Sport

Sport kann Schlaf sowohl fördern wie auch stören.

Zeit im Blick

Die Uhrzeit vor Augen zu haben, wenn man einschlafen möchte oder nachts aufwacht, erzeugt Druck. Wecker und andere Uhren sollten für die Nachtruhe aus dem Blickfeld geräumt werden.

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Info

Eine störende Geräuschkulisse, die nicht abgestellt werden kann, wie etwa Straßenlärm, lässt sich mit sogenanntem weißen Rauschen überspielen. Geräte dafür gibt es im Fachhandel.

Wie man mit Wut und Ärger umgehen kann

Wut und Ärger sind Gefühle, mit denen von einer psychischen Einsatzfolgestörung Betroffene häufig zu kämpfen haben. Dies kann auch Familienangehörige belasten und sie selbst in Rage bringen.

 

Familienangehörige können Wut empfinden, weil

  • das traumatische Erlebnis überhaupt passiert ist;
  • das Trauma auch ihr Leben beeinflusst;
  • ihr Angehöriger seinen Beruf aufgeben musste oder/und es zu einem Einkommensverlust kommt;
  • ihr Angehöriger aufgrund seiner psychischen Erkrankung zu viel trinkt, zu wenig Freizeit mit ihnen verbringt oder den Großteil der Zeit verärgert und leicht irritierbar ist;
  • ihr Angehöriger sich ständig mit dem Trauma beschäftigt;
  • sie aufgrund der psychischen Erkrankung ihres Angehörigen zusätzliche Verantwortung tragen.

 

Wer wütend ist, kann nicht klar denken. Es ist schwer, ein Gespräch zu führen und sich verstanden zu fühlen, wenn man verärgert ist. Sie und Ihr Angehöriger können die Wut hinter sich lassen, wenn Sie verstehen, dass für diese Gefühle keiner die Schuld trägt.

 

Die folgenden Maßnahmen helfen, Situationen zu entschärfen, in denen Wut und Ärger den Umgang miteinander erschweren.

  • Nehmen Sie launisches und schwieriges Verhalten nicht persönlich.
  • Geben Sie sich nicht selbst die Schuld an dem Ärger eines anderen. Denken Sie immer daran, dass nicht Sie die Ursache für den Ärger Ihres Angehörigen sind.
  • Wenn Sie merken, dass Sie im Gespräch mit Ihrem Gegenüber immer wütender werden, nehmen Sie eine Auszeit und verlassen für einige Zeit den Raum. Dies kann beiden dabei helfen, das sich die Gemüter beruhigen. Anschließend lässt sich meist wieder ein konstruktives Gespräch über die Schwierigkeiten miteinander führen.

Wie man mit Drogen und Alkohol umgehen kann

Manche Menschen versuchen, ihre Probleme nach einer Traumatisierung mit Alkohol oder Drogen  zu betäuben. Damit laufen sie Gefahr, in eine Abhängigkeit von der jeweiligen Substanz zu geraten. Dies führt dann häufig zu zusätzlichen Problemen im Alltag und im Umgang mit anderen.

Nicht selten greifen auch Angehörige zu Alkohol und Drogen, um den Schwierigkeiten zu entfliehen, die sie mit dem Betroffenen haben. Oder sie wollen dem Angehörigen Gesellschaft leisten und ihm nahe sein, wenn sich dieser der Sucht bedient, um seinen traumabezogenen Erinnerungen und Gefühlen zu entkommen.

Wer merkt, dass er in den Teufelskreis einer Abhängigkeitserkrankung gerät, sollte rechtzeitig handeln und Gegenmaßnahmen ergreifen.

 

Folgendes ist zu tun, wenn Sie befürchten, die Kontrolle über einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol und Drogen zu verlieren:

  • Machen Sie sich bewusst, dass Sie mit Alkohol und Drogen Ihre Probleme nicht lösen können.
  • Verzichten Sie vollständig auf den Konsum von Alkohol und Drogen oder schränken Sie den Konsum drastisch ein.
  • Ist es Ihnen nicht möglich, aus eigener Kraft den Suchtmittelkonsum zu beschränken, holen Sie sich Hilfe bei Verwandten, Freunden, in einer Selbsthilfegruppe oder bei einem professionellen Berater oder einem Arzt.
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Wichtig

Drogen und Alkohol sind keine Mittel, die Probleme verschwinden lassen. Im Gegenteil: Der Konsum solcher Substanzen schadet der Gesundheit, kann in die Abhängigkeit führen und zieht in der Regel weitere Probleme für das alltägliche Leben nach sich.

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Info

Im Verein Suchtselbsthilfe Bundeswehr e. V. engagieren sich ehrenamtlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Bundeswehr, um Soldatinnen und Soldaten zu helfen, die Abhängigkeitsprobleme befürchten oder haben.

Wie man mit Angst umgehen kann

Menschen mit traumatischen Erfahrungen fühlen sich oft angespannt. Sie sind stets auf der Hut und beschäftigen sich vornehmlich damit, ihr Lebensumfeld als eine Sicherheitszone einzurichten. Beschäftigt sich eine Person übermäßig mit möglichen Gefahren, kann sich das auf die Menschen in ihrem Umfeld übertragen. Dann können auch sie permanent verunsichert sein.

 

Einige typische Ängste, die Angehörige von Soldatinnen und Soldaten mit einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung haben, sind im Folgenden aufgelistet:

 

  • Sie haben Angst, wenn der Traumatisierte wütend oder aggressiv wird, besonders wenn sie befürchten, zur Zielscheibe zu werden.
  • Sie befürchten, dass es zu Einschränkungen kommt im Hinblick auf gemeinsam verbrachte Zeit, erlebter Nähe und Vertrautheit.
  • Sie verlieren die Hoffnung, dass Ihre Familie jemals wieder zur Normalität zurückfinden könnte, wenn die Erkrankung über einen längeren Zeitraum anhält. Dies kann zu Bedrücktheit, Depression und dem Gefühl von Trauer und Verlust führen.

 

Folgende Maßnahmen können helfen, solchen Ängsten entgegenzusteuern:

  • Motivieren Sie den Angehörigen, dass er sich professionelle Hilfe zur Behandlung seiner psychischen Einsatzfolgestörung holt.
  • Ziehen Sie eine Paar- oder Familientherapie in Betracht, wenn sich Schwierigkeiten im familiären Umfeld abzeichnen.
  • Erlernen Sie Entspannungsmethoden, um angstbesetzten Situationen gelassener gegenübertreten zu können.
  • Pflegen Sie einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität und ausgewogener Ernährung. Dies stärkt grundsätzlich die körperliche und seelische Widerstandskraft.

Wie man mit Verlegenheit und Scham umgehen kann

Infolge einer psychischen Einsatzfolgeerkrankung kann es dazu kommen, dass der Betroffene bei Zusammenkünften im Familien- oder Freundeskreis sowie in der Öffentlichkeit ein Verhalten zeigt, für das sich seine Angehörigen schämen. Kommt es beispielsweise im Rahmen einer PTBS zu Wutausbrüchen, Flashbacks oder anderen Symptomen, reagieren vor allem Familienmitglieder, die eine solche Erkrankung als ein Zeichen von Schwäche sehen, verlegen oder beschämt.

 

Verlegenheit und Scham können dazu führen, dass sich Betroffene und auch deren Angehörige zurückziehen und ihre Probleme für sich behalten. Diese Strategie misslingt aber meist. Sie führt in die Isolation, die Menschen werden dann ohne ausreichende Unterstützung zurückgelassen.

 

Die folgenden Maßnahmen können helfen, Verlegenheit und Scham zu überwinden:

 

  • Machen Sie sich immer wieder bewusst: Bei einer psychischen Einsatzfolgestörung handelt es sich um eine Erkrankung, bei der normale Reaktionen auf extrem belastende Ereignisse hervorrufen werden können. Das ist nichts, wofür sie jemand schämen muss.
  • Reden Sie möglichst offen über die Schwierigkeiten, die aufgrund der Einsatzfolgestörung für den Betroffenen und für Sie entstehen.
  • Stehen Sie zu dem Betroffenen und unterstützen Sie ihn bestmöglich dabei, gesund zu werden.
  • Lassen Sie sich von anderen nicht in eine defensive Rolle drängen, in der Sie sich genötigt fühlen, sich für Ihren Angehörigen entschuldigen zu müssen.

Wie ein Gespräch über das Traumaerlebnis entstehen kann

Soldatinnen und Soldaten, die ein Trauma erlebt haben, reden in der Regel nicht gerne über ihr Erlebnis. Angehörige wollen aber meist wissen, was genau passiert ist und wie es ihrem Angehörigen damit geht.

 

Folgende Maßnahmen können helfen, in ein Gespräch über das Traumaerlebnis zu kommen:

  • Zeigen Sie Verständnis für die Gefühle und die emotionalen Reaktionen.
  • Benennen Sie die Stärken Ihres Gegenübers, würdigen Sie seine Anstrengungen zur Bewältigung des Traumaereignisses.
  • Akzeptieren Sie, dass die Erfahrungen Ihres Gesprächspartners im Mittelpunkt stehen, halten Sie sich damit zurück, auf Ihre eigenen Erfahrungen zu verweisen.
  • Geben Sie nur Ratschläge, wenn Sie danach gefragt werden.
  • Verzichten Sie auf Äußerungen, die die gemachte Erfahrung Ihres Angehörigen minimiert oder untergräbt. Solche Äußerungen könnten sein: „Das ist jetzt so lange her, Du solltest nach vorne blicken“, „Alles wird gut“ oder „Das Leben geht weiter“.
  • Treffen Sie kein Urteil über die Entscheidungen, die Ihr Gegenüber getroffen hat. Die Belastung im Einsatz unter Lebensgefahr ist für Zivilisten schwer nachzuempfinden.

 

Auch mit Ihrer Körpersprache können Sie positive oder negative Signale an den Gesprächspartner senden.

Einige Beispiele:

Signalisiert Aufmerksamkeit

  • Kopfnicken,
  • wiederholt „hmm“ oder „a-ha“ sagen,
  • regelmäßiger Augenkontakt, der weder konstant noch fliehend ist.

Motiviert zum Weiterreden

Nachfragen, die nicht nur mit einem Wort – meist ja oder nein – zu beantworten sind.

Beispiele:

„Wie geht es Dir?“ statt „Geht es Dir gut?“

 „Wie war das für Dich?“ statt „Das war bestimmt schlecht für Dich?“

Verunsichert

  • Gesichtsausdruck: Augenbrauen heben,
  • mit den Augen rollen.

Wie man in der Partnerschaft gut kommunizieren kann

Partnerinnen und Partner sind oft die engsten Bezugspersonen von Soldaten und Soldatinnen, die an einer psychischen Einsatzfolgestörung leiden. Ihre Fähigkeiten zum Zuhören und Reden sind besonders gefordert, wenn es darum geht, den Betroffenen zu verstehen und ihm die eigenen Sorgen und Bedürfnisse verständlich zu machen.

 

Die folgenden Tipps können helfen, im Gespräch zu bleiben.

Tipps für eine gute Kommunikation zwischen Partnern

  • Drücken Sie Ihre Gefühle in Worten aus. Ihr Partner weiß vielleicht nicht, dass Sie traurig oder frustriert sind – außer, wenn Sie klar und deutlich Ihre Gefühle aussprechen.
  • Helfen Sie Ihrem Partner dabei, seine Gefühle in Worte zu fassen. Fragen Sie zum Beispiel, ob er verärgert ist, sich traurig fühlt oder sich Sorgen macht.
  • Seien Sie ein guter Zuhörer: diskutieren oder unterbrechen Sie nicht.
  • Fragen Sie nach, wie Sie konkret helfen können.
  • Geben Sie keine Ratschläge, wenn Sie nicht danach gefragt werden.

Tipps für faires Argumentieren

  • Wenn Ihr Gegenüber spricht, hören Sie zu, ohne zu unterbrechen.
  • Stellen Sie Fragen.
  • Wiederholen Sie gegebenenfalls das Gesagte, um sicherzugehen, dass Sie verstanden haben, was gesagt wurde.
  • Machen Sie keine Aussagen unterhalb der Gürtellinie, zum Beispiel zum Aussehen des anderen. Konzentrieren Sie sich auf das aktuelle Gesprächsthema und die Person, die Sie vor sich haben.
  • Diskutieren Sie nicht miteinander, wenn Sie im Bett sind. Das Schlafzimmer sollte ein Ort für den Austausch gegenseitiger Zuneigung sein. Für Diskussionen nutzen Sie besser einen anderen, neutralen Raum.
  • Halten Sie sich mit pauschalen Äußerungen zurück und konzentrieren Sie sich auf die Sache.
  • Arbeiten Sie zusammen als ein Team, um Probleme zu lösen. Gemeinsam schaffen Sie viel mehr, als jeder für sich alleine.