Was professionelle Hilfe ist

Für Soldatinnen und Soldaten besteht kein Grund dafür, dass sie sich unnötig lange das Leben schwer machen, indem sie nach einem traumatischen Erlebnis lebenseinschränkende psychische Symptome aushalten. Besser ist es, möglichst rasch professionelle Hilfe bei psychotherapeutischem Fachpersonal in Anspruch zu nehmen. Dafür gibt es Experten bei der Bundeswehr und auch im zivilen Bereich. Sie alle können für betroffene Soldaten viel tun.

 

Mit professioneller Hilfe gelingt es psychisch belasteten Soldaten leichter

  • ihre Gefühle und Gedanken besser unter Kontrolle bringen;
  • sich im Umgang mit anderen Menschen entspannter fühlen;
  • persönliche Lebensziele erreichen;

sich auf die Zukunft konzentrieren.

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Info

Das Psychosoziale Netzwerk der Bundeswehr (PSN) bündelt alle Kompetenzen, die für die Betreuung einsatzgeschädigter Soldaten und deren Angehörige hilfreich sind. Das Angebot steht jeweils regional an den Standorten in Deutschland und im Einsatzland zur Verfügung.

Im PSN arbeiten vier Fachdisziplinen zur Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten eng zusammen:

  • Sanitätsdienst der Bundeswehr (SanDstBw),
  • Psychologischer Dienst der Bundeswehr (PsychDstBw),
  • Sozialdienst der Bundeswehr,
  • Katholische und Evangelische Militärseelsorge.
  • Jüdische Militärseelsorge.

Welche Spezialisten professionelle Hilfe leisten

Ärzte, Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten – fachlich bestens ausgebildete und erfahrene Menschen – kümmern sich um die Heilung erkrankter Seelen. Innerhalb der Bundeswehr sind sie beim Sanitätsdienst zu finden. Auftrag des Sanitätsdienstes ist es, die Gesundheit von Soldatinnen und Soldaten – auch die seelische – zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen. Die Spezialisten dort verfügen nicht nur über Fachkompetenzen, sie sind darüber hinaus mit allen Bedingungen im militärischen Umfeld bestens vertraut.

Wie der Truppenarzt hilft

Truppenärzte und -ärztinnen sind Allgemeinmediziner, die ihr umfangreiches Wissen über den menschlichen Körper und seine Krankheiten mit ihrer Kenntnis der Truppe, des Auftrags und des Standortes verbinden. Sie besitzen außerdem eine Grundausbildung und praktische Erfahrung in der Behandlung psychischer Leiden. Als Mediziner können sie Medikamente verschreiben, die insbesondere bei leichteren Symptomen von psychischen Leiden, beispielsweise Schlaflosigkeit oder innere Unruhe, zeitweise angewendet werden können.

 

Für Soldatinnen und Soldaten mit psychischen Problemen ist der Truppenarzt die erste Anlaufstation. Er stellt eine Diagnose, leitet bei Bedarf weitere Maßnahmen in die Wege und koordiniert den Behandlungs- und Hilfeprozess.

Mögliche Maßnahmen, die der Truppenarzt im Falle einer psychischen Erkrankung bei Soldaten vornimmt, sind:

  • Durchführung von stützenden Behandlungen zur Überbrückung von Wartezeiten;
  • Überweisung für ein psychotherapeutisches und psychiatrisches Beratungsgespräch in einem der Bundeswehrkrankenhäuser oder einer fachärztlichen Untersuchungsstelle oder zu einer ersten Psychotherapie;
  • Bei Bedarf Überweisung an einen zivilen Psychotherapeuten oder Psychiater;
  • Bei psychiatrischen Notfällen: Überweisung an eine standortnahe, zivile Klinik.
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Info

Soldatinnen und Soldaten, die außerhalb der Sprechzeiten beim Truppenarzt psychologische oder psychiatrische Hilfe benötigen, können sich direkt in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder in einer psychiatrischen Klinik vorstellen.

Wie ein Psychiater hilft

Psychiater sind Fachärzte und -ärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie haben mindestens sechs Jahre Medizin studiert, ein Staatsexamen abgelegt, die Approbation (staatliche Zulassung zur Berufsausübung) erhalten und sich dann für mindestens fünf Jahre in der Fachrichtung Psychiatrie und Psychotherapie weitergebildet.

Ein Psychiater ist dazu ausgebildet, jede psychische Störung zu erkennen und zu behandeln. Als Arzt führt er auch körperliche Untersuchungen durch und darf Medikamente verordnen.

Wie ein Psychologe hilft

Psychologen und Psychologinnen haben ein Psychologiestudium absolviert und nach etwa fünf Jahren einen entsprechenden Hochschulabschluss (früher Diplom, heute Master) erlangt. Psychologen dürfen ohne weitere zusätzliche Ausbildung keine Therapien durchführen. Das Einsatzgebiet von Psychologen bei der Bundeswehr ist breit gefächert. Insbesondere arbeiten sie in der Personalgewinnung, Ergonomie, Forschung, als Truppenpsychologen oder als Klinische Psychologen in den Bundeswehrkrankenhäusern. Im Rahmen einer weiteren 3 bis 5 jährigen Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten dürfen Psychologen und Psychologinnen auch Psychotherapien an Patienten anbieten.

 

Truppenpsychologen und Truppenpsychologinnen sind speziell auf die besonderen Belange von Soldatinnen und Soldaten ausgebildet. Sie können Betroffene bei wichtigen Fragen als erste Ansprechpartner unterstützen oder beraten und haben selbst Einsatzerfahrung, da sie Soldatinnen und Soldaten in die Einsätze begleiten und die psychologische Vor- und Nachbereitung steuern. Sie beraten zudem bei der Wahl geeigneter Schritte auf dem Weg zur Genesung und sind mit allen anderen Ansprechpartnern – Truppenärzten, Sozialdienst, Seelsorge – vernetzt.

Wie ein Psychotherapeut hilft

Psychotherapeut ist in Deutschland eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Nur Psychotherapeuten dürfen Patienten psychotherapeutisch behandeln. Bisher gibt es dafür mehrere Ausbildungsmöglichkeiten. Maßgeblich für die Ausübung von Psychotherapie ist unter anderem das Psychotherapeutengesetz (PsychThG).

 

Je nach Ausbildung wird in Deutschland heute zwischen ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten unterschieden.

 

Ärztliche Psychotherapeuten haben mindestens sechs Jahre Medizin studiert und eine Facharztweiterbildung von mindestens fünf Jahren für eine der folgenden Facharztgruppen angeschlossen:

  • Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie;
  • Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie;
  • Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

 

Andere Fachärzte, wie Neurologen, Allgemeinmediziner oder Gynäkologen, können ebenso zusätzlich zu ihrer Facharztweiterbildung eine Psychotherapiezusatzweiterbildung machen und werden dadurch auch zu ärztlichen Psychotherapeuten.

 

Psychologische Psychotherapeuten haben ein Psychologiestudium von mindestens fünf Jahren abgeschlossen (früher Diplom, heute Master). Für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wird auch der Abschluss eines Lehramts-, Pädagogik- oder Sozialpädagogikstudiums als Voraussetzung zur psychotherapeutischen Zusatzausbildung anerkannt. Anschließend muss eine mindestens dreijährige Weiterbildung zum Psychotherapeuten absolviert und die Approbation (staatliche Zulassung zur Berufsausübung) erlangt werden.

Im Gegensatz zu ärztlichen Psychotherapeuten dürfen psychologische Psychotherapeuten keine Medikamente verschreiben oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

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Info

Zum 1. September 2020 soll das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung in Kraft treten. Dieses sieht vor, dass es in Deutschland ab Wintersemester 2020/2021 einen eigenen wissenschaftlichen Masterstudiengang Psychotherapie (dreijähriges Bachelor- und zweijähriges Masterstudium) geben wird. Nach dem erfolgreichem Abschluss dieses Studiengangs tragen Absolventen die Berufsbezeichnung Psychotherapeutin/Psychotherapeut und erhalten gleichzeitig die Approbation (staatliche Zulassung zur Berufsausübung).

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Wichtig

Für Soldatinnen und Soldaten, die bei psychologischen Problemen Hilfe benötigen,  sind der Sanitätsdienst der Bundeswehr mit Truppenärzten und Fachärzten, der Sozialdienst der Bundeswehr, der Psychologische Dienst der Bundeswehr und die Mitarbeiter der Militärseelsorge sowie in der Truppe die Lotsen für Einsatzgeschädigte als Ansprechpartner da.

Das Krankheitsbild bestimmt die Art der Behandlung

Das Krankheitsbild sowie die Ausprägung der belastenden Symptome bestimmen die Art der Behandlung einer psychischen Einsatzfolgestörung bei Soldatinnen und Soldaten. Dabei kommen folgende Maßnahmen infrage

  • ein ambulante Psychotherapie,
  • eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus oder
  • eine teilstationäre Behandlung in einer Tagesklinik.

Für alle Möglichkeiten stehen innerhalb der Bundeswehr Einrichtungen und Kapazitäten zur Verfügung. Die Behandlung von Soldatinnen und Soldaten mit einer PTBS wird in der Regel durch den Sanitätsdienst der Bundeswehr durchgeführt. Bei Engpässen oder auf Antrag können Soldaten aber auch zivile Einrichtungen in Anspruch nehmen.

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Info

In unseren Servicespecial Rat vom Fachmann erhalten Soldatinnen und Soldaten sowie deren Angehörige unkompliziert professionelle Hilfe für alle individuellen Fragen rund um den Themenkreis Posttraumatische Belastungsstörung und psychische Einsatzschädigungen. Sie müssen nur ihre Frage unter oben genanntem Link stellen und erhalten zeitnah Antwort. Ein Experten-Team aus dem Psychotraumazentrum der Bundeswehr in Berlin betreut dieses Angebot. Die Anfragen werden streng vertraulich behandelt und unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Es werden keinerlei Daten an Stellen innerhalb der Bundeswehr weitergegeben.

Ambulante Psychotherapie

Bei einer ambulanten Psychotherapie suchen die Patientinnen und Patienten in der Regel ein- bis zweimal pro Woche eine psychotherapeutische Praxis zu einer Therapiestunde auf. Eine Therapiestunde wird Sitzung genannt und dauert in der Regel 50 Minuten.

Vorteil der ambulanten Psychotherapie ist, dass die Patienten neben ihrer Psychotherapie weiterhin am Alltagsleben – beruflich wie privat – teilnehmen, soweit ihnen dies gesundheitlich möglich ist.

Für Soldatinnen und Soldaten mit einer Einsatzfolgestörung schließt eine ambulante Psychotherapie meist an eine stationäre Akutbehandlung in einem Bundeswehkrankenhaus an.

Soldatinnen und Soldaten können für eine ambulante Psychotherapie auch zivile Psychotherapeuten in Anspruch nehmen und sowohl Praxen mit Kassenzulassung als auch privatärztliche psychotherapeutische Praxen nutzen. Für die Zusammenarbeit mit zivilen Psychotherapeuten bietet die Bundeswehr spezielle Fortbildungen an. Entsprechende Vereinbarungen wurden vom Bundesministerium für Verteidigung mit der Bundespsychotherapeutenkammer geschlossen.

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Info

In zivilen Praxen ist es aufgrund der Konkurrenz mit Zivilpatienten nicht immer einfach, sofort einen geeigneten Therapieplatz am gewünschten Ort zu finden.

5 Schritte zur Psychotherapie

Im Folgenden sind die Schritte beschrieben, die Soldatinnen und Soldaten zur Aufnahme einer Psychotherapie unternehmen müssen.

1. Schritt

Kontakt zu Truppenärztin/Truppenarzt

Die Truppenärztin oder der Truppenarzt

  • stellt eine Diagnose;
  • prüft Notwendigkeit für eine Psychotherapie;
  • berät über die Möglichkeiten einer Behandlung;
  • leitet Schritte zur Behandlung ein, zum Beispiel durch Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus;
  • hilft bei Bedarf bei der Auswahl eines Psychotherapeuten;
  • genehmigt probatorische Sitzungen und Kurzzeittherapien (bis 24 Therapiestunden); für Langzeittherapien (ab 25 Therapiestunden) sind weitere Dokumente notwendig, unter anderem ein wehrpsychiatrisches Gutachten.

2. Schritt

Einen Psychotherapeuten finden

In der Regel ist der Truppenarzt bei der Suche nach einem geeigneten Psychotherapeuten behilflich.

Soldaten können auch zivile Psychotherapeuten für eine Psychotherapie in Anspruch nehmen. Sie sind ebenfalls gut ausgebildete Spezialisten, einige sind sogar mit dem militärischen Hintergrund gut vertraut. Im zivilen Bereich betreuen sie Trauma-Patienten nach sexueller Gewalt oder anderen traumatisierenden Ereignissen.

Psychotherapeuten findet man in verschiedenen Portalen im Internet.

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Info

Die wichtigsten Suchsysteme für Psychotherapeuten im Internet sind:

  • Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT):
    DeGPT-TherapeutInnen-Suche
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KVB): Bundesweites Arztsuchsystem; nach Eingabe des Bundeslandes wird auf die jeweilige regionale Kassenärztliche Vereinigung verlinkt; dort können Ärzte nach Fachgebieten gesucht werden.
    KBV-Arztsuche
  • Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK): Link auf die Suchsysteme der regionalen Psychotherapeutenkammern.
    BPtK-Psychotherapeuten-Suche
  • EMDRIA Deutschland e.V., Fachverband für Anwender der psychotherapeutischen Methode Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR): Suche nach Therapeutinnen und Therapeuten, die nach EMDR-Methode arbeiten
    EMDR- Therapeuten/innen-Suche
  • Viele Universitätskliniken und große Krankenhäuser führen sogenannte Psychiatrische Institutsambulanzen (PIAs), die Auskunft geben oder Therapieplätze vorhalten.

Tipp

Bei der Auswahl einer geeigneten Praxis für die Psychotherapie sollten Soldaten Folgendes  beachten:

  • Die Praxis sollte gut erreichbar sein, entweder vom Dienstort oder vom Heimatort. Wichtig ist, dass der Patient entspannt und nicht gestresst in die Therapiestunde kommt.
  • Die Praxis sollte Behandlungstermine anbieten, die entsprechend dem Dienstplan gut einzuhalten sind. Besonders geeignet sind Randstunden sowie Montagvormittag und Freitag.
  • Oft sind der Hin- und Rückweg zu den einzelnen Therapieterminen für den Patienten ein Problem. Eventuell ist es dann notwendig, im privaten Umfeld dafür eine Bring- und Abholmöglichkeit zu organisieren.

3. Schritt

Probatorische Sitzungen beim Psychotherapeuten beantragen und wahrnehmen

Probatorische Sitzungen – auch Probatorik genannt – sind der eigentlichen Psychotherapie quasi vorgeschaltet. Sie dienen dazu, Beschwerden, Diagnose, mögliche Therapien, Therapieziele und Erfolgsaussichten zwischen Therapeut und Patient abzuklären. Gleichzeitig können beide Seiten im Verlauf prüfen, ob die „Chemie stimmt“ und eine längerfristige Zusammenarbeit möglich ist. In der Regel finden vier probatorische Sitzungen statt.

Falls sich im Rahmen der Probatorik herausstellt, dass die Zusammenarbeit nicht erfolgversprechend verläuft, kann der Patient bei einem anderen Therapeuten erneut probatorische Sitzungen beantragen. Andererseits kann auch der Therapeut die Zusammenarbeit einstellen.

 

4. Schritt

Antrag für Psychotherapie beim Truppenarzt

Entschließen sich Patient und Psychotherapeut für eine Psychotherapie, beantragt der Psychotherapeut über den Truppenarzt eine Therapie von 24 Sitzungen (Kurzzeittherapie) bis 60 Sitzungen (Langzeittherapie). Die ersten 24 Sitzungen kann der Truppenarzt allein verordnen. Darüber hinaus reicht der Truppenarzt den Therapieantrag einschließlich eines wehrpsychiatrischen Gutachtens beim Sanitätskommando zur Bewilligung der Kostenübernahme ein.

 

Tipp

Um lange Wartezeiten in der Begutachtung und folglich in der Genehmigung einer Psychotherapie zu verhindern, ist es wichtig, frühzeitig über den Truppenarzt ein wehrpsychiatrisches Gutachten zu beantragen.

5. Schritt

Antritt der Psychotherapie nach Genehmigung und Kostenübernahmeerklärung

Mit der Genehmigung der Psychotherapie durch das Sanitätskommando erhält der Patient vom Truppenarzt einen Behandlungsausweis. Dieser ist gleichzeitig die Genehmigung zur Psychotherapie und die Kostenübernahmeerklärung. Der Ausweis muss zur ersten genehmigten Therapiesitzung mitgenommen werden.

Traumatherapie in einem Bundeswehrkrankenhaus

Für eine Traumatherapie in einem Bundeswehrkrankenhaus verbringen Patientinnen und Patienten stationär meist mehrere Intervalle, die jeweils drei bis sechs Wochen lang dauern können. Dazwischen sind sie zu Hause und nehmen so weit wie möglich am Alltagsleben teil.

 

Nach einem Krankenhausaufenthalt oder in den krankenhausfreien Intervallen schließt sich zur weiteren Begleitung des Gesundungsprozesses in der Regel eine ambulante Psychotherapie an.

 

Stationäre Behandlungen von Einsatzfolgeerkrankungen sind vor allem bei schweren Verläufen oder bei Auftreten von mehreren psychischen Erkrankungen oder in akuten Krisensituationen angezeigt.