Leben mit einer psychischen Einsatzfolgestörung

Soldatinnen und Soldaten sind bei einem Auslandseinsatz besonderen Belastungen ausgesetzt. Diese können bei ihnen vielfältige psychische Störungen auslösen, eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder andere psychische Einsatzfolgestörungen. Damit müssen betroffene Soldaten dann erst einmal mehr oder weniger lange leben – und das rund um die Uhr. Eine solche Störung verschwindet nicht auf die Schnelle und sie lässt sich nach Dienstschluss in der Freizeit nicht einfach abstellen.

Auswirkungen von psychischen Einsatzfolgestörungen auf das Leben von Soldatinnen und Soldaten

Viele Soldatinnen und Soldaten denken, sie müssten ihre Probleme nach einem Einsatz alleine, ohne die Hilfe anderer Menschen, lösen. Sie reden nicht gerne darüber, was ihnen passiert ist und wie sie sich fühlen. Mit ihrem Schweigen wollen sie andere nicht belasten oder sich selbst vor belastenden Erinnerungen schützen. Sie halten es auch in einer solch schwierigen Situation nicht für völlig  normal, Hilfe zu brauchen. Sie glauben, wenn sie Hilfe benötigen, sind sie eine schlechte Soldatin, ein schlechter Soldat.

Traumatische Erlebnisse im Einsatz können viele belastende Empfindungen auslösen.

Dazu gehören beispielsweise

  • Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht;
  • Selbstvorwürfe, versagt zu haben;
  • Selbstanklagen, weil der Betroffen glaubt, selbst einen Fehler gemacht zu haben;
  • Schuldgefühle, selbst überlebt zu haben;
  • Wutanfälle, weil gerade einem selbst das Ereignis passiert ist;
  • Wutanfälle gegen Personen, die für das Ereignis verantwortlich gemacht werden.

Aus falscher Scham halten viele Soldatinnen und Soldaten Leid viel zu lange lange aus

Für Betroffene mit einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung kann die gesamte Lebenssituation hochgradig belastend sein. Oft harren sie mit schwerwiegenden Symptomen bis zum Gehtnichtmehr aus – manchmal jahrelang.

 

Sie halten aus, weil sie vor allem auch diese Auswirkungens befürchten:

  • die Missachtung der Kameraden,
  • ein mögliches Karriereende,
  • Stigmatisierung nach einer psychischen Diagnose.
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Info

Obwohl in den vergangenen Jahren in der  Bevölkerung und auch innerhalb der Bundeswehr viel Aufklärungsarbeit zum Thema psychische Erkrankungen geleistet wurde, ist die Angst vor Stigmatisierung für psychisch erkrankte Menschen noch immer ein schwerwiegender Grund dafür, dass sie keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Neben den Belastungen aus dem Einsatz können sich zu Hause im privaten Umfeld weitere Probleme auftun. Etwa wenn sich die Familie in der langen Trennungszeit auseinandergelebt hat oder keinen gemeinsamen Weg findet, mit den Folgen einer Traumatisierung zu leben. Den Alltag im beruflichen wie privaten Bereich bewältigen Soldatinnen und Soldaten dann oft nur noch unter größten Anstrengungen.

 

Der Versuch, alle Probleme alleine lösen zu wollen, erschwert oft die Lage für die Betroffenen. Den meisten Menschen hilft es, wenn sie zur Bewältigung ihrer Probleme ihr Umfeld einbeziehen. Doch obwohl es inzwischen bekannt ist, dass es selbst für eine PTBS gute Behandlungsmöglichkeiten mit Heilungschance gibt, scheuen sich viele Soldatinnen und Soldaten, den ersten Schritt in Richtung Hilfe zu tun.

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Info

Von einer PTBS betroffene Soldatinnen und Soldaten, die professionelle Hilfe benötigen, wenden sich an ihre Truppenärztin oder den Truppenarzt. Sie leiten – falls nötig – weitere Schritte ein.

Bei einer psychischen Belastung stehen dem Gang zum Truppenarzt vor allem diese Gedanken im Wege:

  • Ein Soldat hat stark zu sein. Es ist mir peinlich, dass ich Hilfe brauche, ich schäme mich dafür.
  • Andere könnten mich für ein Weichei
  • Ich lasse meine Kameradinnen und Kameraden im Stich, wenn ich wegen Verwendungsausschlüssen weniger breit eingesetzt werden kann, oder wenn ich für eine Therapie zeitweise vom Dienst freigestellt werde.
  • Ich bin mit einer psychischen Störung in der Einheit nicht mehr so viel wert.
  • Ich werde als beschädigt abgestempelt.

Tipp

Psychisch belastete Soldatinnen und Soldaten, die noch zögern, sich Hilfe zu holen, können sich in unserem Servicespecial Rat vom Fachmann anonym beraten lassen. Auch die kostenfreie Smartphone-App Coach PTBS liefert Unentschlossenen anonym Informationen zu PTBS und weiteren psychischen Einsatzfolgeerkrankungen und den Umgang damit.

Ein Umdenken zum Annehmen von Hilfe ist nötig

Traumatisierte Soldatinnen und Soldaten sollten sich eines bewusst machen: Es ist ganz normal, auf extrem belastende Situationen und Erlebnisse psychisch zu reagieren. Und es ist dann gut, sich helfen lassen, um möglichst rasch wieder ein normales Leben führen zu können.

Auch für Soldatinnen und Soldaten gibt es gute Argumente dafür, Hilfe anzunehmen:

  • Soldatinnen und Soldaten haben die Pflicht zur Gesunderhaltung – auch im psychischen Bereich. Sie handeln pflicht- und auftragsgemäß, wenn sie sich bei Bedarf truppenärztlich und fachärztlich helfen lassen. Es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen, wenn der Genesungsprozess Zeit in Anspruch nimmt.
  • Es ist nicht ungewöhnlich, Probleme zu haben. Nach einem Einsatz haben schon viele Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr Sorgen bezüglich ihrer psychischen Gesundheit geäußert.
  • Psychotherapie ist nicht nur etwas für schwache Menschen oder nur für verwendungsunfähige Wehrdienstleistende. Die Behandlung hilft Betroffenen, über ihre Erfahrungen zu sprechen und belastende Erinnerungen zu verarbeiten. Danach fühlen sie sich besser und stärker. Mit psychotherapeutischer Unterstützung fällt es viel leichter, den Weg zurück in die volle Belastbarkeit im Dienst und im Privatleben zu finden.
  • Soldatinnen und Soldaten mit einer PTBS sind nicht automatisch verwendungsunfähig. Die Belastungsstörung muss nicht zu Dienstunfähigkeit (DU) oder dem Ende einer militärischen Laufbahn führen. Die Erkrankung ist meist sogar während des weiteren Dienstvollzugs im Inland heilbar.
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Wichtig

Es ist ein Zeichen von Stärke, Selbstachtung, Mut und persönlichem Wachstum, wenn Soldatinnen und Soldaten sich in einer psychischen Krise die nötige Unterstützung beschaffen, um wieder ein erfülltes, zufriedenstellendes Leben führen zu können.

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Info

Soldatinnen und Soldaten mit einer PTBS oder einer anderen psychischen Einsatzfolgestörung sind nicht allein. Es gibt inzwischen viele Hilfsangebote im militärischen wie im zivilen Bereich, in denen Menschen aktiv sind, die ihnen helfen wollen und können.

Wie es beruflich nach einer psychischen Einsatzschädigung weitergeht

Für Soldatinnen und Soldaten bedeutet eine PTBS oder eine andere psychische Einsatzschädigung nicht automatisch das Ende der Karriere. Je nachdem, welchen Status der Betroffene innehat, zu welchem Zeitpunkt die psychische Einsatzfolgestörung aufgetreten ist, wie lange und mit welchem Schweregrad sie den Betroffenen in seiner Leistungsfähigkeit schwächt, kommen unterschiedliche Maßnahmen sowie diverse Ansprüche auf finanzielle Versorgungsleistungen in Betracht.

 

Grundlage für Maßnahmen und Ansprüche nach einer psychischen Einsatzfolgestörung bilden in erster Linie folgende Gesetze:

  • Soldatenversorgungsgesetz (SVG),
  • Einsatz-Versorgungsgesetz (EinsatzVG) und Einsatz-Versorgungsverbesserungsgesetz (EinsatzVVerbG),
  • Einsatz-Weiterverwendungsgesetz (EinsatzWVG).

 Regelungen, Verfahrensweisen und Ansprüche variieren je nach Status des betroffenen Bundeswehrangehörigen (Berufssoldat, Ehemalige, Soldat auf Zeit, Beamter, ziviler Mitarbeiter).

 

Im Folgenden sind die wichtigsten Verfahren für Soldatinnen und Soldaten mit einer psychischen Einsatzfolgestörung kurz beschrieben:

Wehrdienstbeschädigung (WDB)

Beim Wehrdienstbeschädigungsverfahren (WDB-Verfahren) geht es um die Fragestellung, ob aufgrund des Wehrdienstes gesundheitliche Schädigungen entstanden sind, deren Folgen auszugleichen sind. Für aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten ist das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) für die Bearbeitung der WDB-Anträge zuständig. Nach diversen Ermittlungsverfahren unter Einbeziehung von medizinischen Unterlagen, Stellungnahmen und Gutachten sowie unter Berücksichtigung geltender rechtlicher Bestimmungen wird entscheiden, ob anzuerkennende Schädigungsfolgen vorliegen und wie hoch der Grad der Schädigungsfolgen (GDS) ist. Dieser ist ausschlaggebend dafür, welche Ansprüche gemäß der Beschädigtenversorgung nach dem Soldatenversorgungsgesetz bestehen.

Versetzungsempfehlung

Im Rahmen einer PTBS kann eine heimatnahe Versetzung medizinisch begründet sein. Die Patientin oder der Patient können sich somit in einer vertrauten Umgebung mit den stützenden sozialen Strukturen und ohne Pendlerbelastung besser auf eine ambulante Psychotherapie einlassen, Heilung oder Linderung erreichen und in dem geschützten Rahmen erfolgreicher eine Wiedereingliederung durchführen. Der entsprechende Antrag dafür ist von Soldatinnen und Soldaten beim jeweiligen Disziplinarvorgesetzten zu stellen.

Temporär nicht dienstfähig (Krank zu Hause, KzH)

Ist die Leistungsfähigkeit durch eine PTBS oder eine andere seelische Störung stark vermindert oder aufgehoben, kann der Truppenarzt oder ein Arzt für Psychiatrie der Bundeswehr die betroffene Person befristet KzH (Krank zu Hause) schreiben. Es gilt aber zu beachten, dass bei Traumafolgestörungen zu lange KzH-Zeiten oft ungünstig wirken und für die Gesundung sich eher nachteilig auswirken.

Wiedereingliederung

Ist die Leistungsfähigkeit über längere Zeit verringert, so kommt eine Wiedereingliederung infrage. Dazu bescheinigt der Truppenarzt oder ein Arzt für Psychiatrie der Bundeswehr dem Patienten oder der Patientin eine befristete Verringerung der täglichen Dienstzeit, zum Beispiel fünf Stunden an fünf Tagen für acht Wochen oder bis zu einem bestimmten Enddatum.

Schutzzeit

Nach dem Einsatzweiterverwendungsgesetz steht Einsatzgeschädigten eine Schutzzeit von bis zu acht Jahren für beruflichen Qualifizierung zu. Ziel ist es, den Betroffenen die Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Während und nach der Schutzzeit können dementsprechend diverse Bestimmungen zum Tragen kommen.

Einige Beispiele dafür:

  • Einsatzgeschädigte dürfen während der Schutzzeit nicht ohne ihre Zustimmung wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt oder entlassen werden.
  • Einsatzgeschädigte können während der Schutzzeit befördert werden, wenn sie die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen erfüllen und Dienst leisten.
  • Bereits ausgeschiedene Soldatinnen und Soldaten können unter bestimmten Voraussetzungen wiedereingestellt oder in ein sogenanntes Wehrdienstverhältnis besonderer Art gesetzt werden, wenn eine Einsatzschädigung erst nach ihrem Ausscheiden erkannt wird.
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Info

Detaillierte Auskünfte zur Versorgung von einsatzgeschädigten Soldatinnen und Soldaten erteilen die regionalen Dienstleistungszentren des Sozialdienstes der Bundeswehr

Auswirkungen von psychischen Einsatzfolgestörungen auf das soziale Umfeld

Psychische Einsatzfolgestörungen sind nicht ansteckend. Sie haben aber massive Auswirkungen auf das Lebensumfeld der Betroffenen. Im Verlauf einer PTBS etwa können sich Verhalten, Charakter und Persönlichkeit des Traumatisierten stark verändern. Dies bekommen am heftigsten die Menschen in seiner Umgebung zu spüren: enge und entfernte Familienangehörige, Partnerinnen und Partner, Kinder, der Freundeskreis, Kollegen und Kameraden.

Lebenslustige Optimisten werden zu Menschen, die sich zurückziehen und nur noch die schlechten Seiten des Lebens wahrnehmen. Selbstbewusste und erfolgreiche Persönlichkeiten mutieren zu hilflosen Wesen, die sich auch der kleinsten Schwierigkeit nicht mehr gewachsen fühlen. Aus liebevollen Vätern werden wütende und furchteinflößende Männer, vor denen Frauen und Kinder Angst haben.

 

Auf eine solche neue Lebenssituation müssen sich alle erst einstellen und eine neue Basis für das Zusammenleben finden. Sozialer Rückhalt im Familien- und Freundeskreis ist für Menschen mit einer psychischen Einsatzfolgestörung ganz wichtig, denn der fördert den Heilungsprozess.

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Info

Angehörige und Freunde von einem Menschen mit einer psychischen Erkrankung können ihn nicht heilen, aber sie können seinen Gesundungsprozess maßgeblich unterstützen.

Der Umgang mit traumatisierten Menschen ist nicht leicht

Zeigt eine Soldatin oder ein Soldat nach einem Auslandseinsatz Symptome einer Traumatisierung sind die Menschen zu Hause erst einmal verunsichert. Nahestehende Personen wissen oft nicht, wie sie sich dem Betroffenen gegenüber verhalten sollen. Die einen meinen, pausenlos helfen zu müssen, andere äußern ihre Unsicherheit, indem sie in peinlichen Situationen wegschauen, wieder andere reagieren, indem sie sich ganz zurückziehen.

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Wichtig

Für traumatisierte Menschen ist es wichtig, dass sie soziale Kontakte haben, auf die sie sich verlassen können. Sie brauchen Menschen, von denen sie sich mit ihren Beschwerden verstanden fühlen, die sie ernst nehmen und ihre Grenzen bedingungslos akzeptieren.

Die folgenden Ratschläge erleichtern den sozialen Kontakt zu einem Menschen mit einer psychischen Einsatzfolgestörung oder PTBS:

  • Informieren Sie sich ausgiebig über die Ursachen, Symptome und Auswirkungen einer PTBS. Nur dann können Sie verstehen, was der Betroffene durchlebt und wieso er sich manchmal unverständlich verhält.
  • Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass das Verhalten eines Traumatisierten eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis ist und nicht etwa Boshaftigkeit oder Desinteresse Ihnen gegenüber.
  • Vermitteln Sie dem Betroffenen mit Worten und Ihrem Verhalten, dass er ihnen vertrauen kann und Sie für ihn da sind, wenn er Sie braucht.
  • Machen Sie den Betroffenen immer wieder darauf aufmerksam, dass sein Zustand nicht seine eigene Schuld oder sein Versagen ist, sondern eine psychische Erkrankung, gegen die er etwas unternehmen kann.
  • Hören Sie aufmerksam zu, wenn der Betroffene von seinen Erlebnissen und Gefühlen erzählen will. Drängen Sie ihn aber nicht dazu, dass er redet, wenn er das nicht will. Dabei sollten Sie kein Urteil über das Gehörte fällen und sich mit ungebetenen Ratschlägen zurückhalten. Der Betroffene sollte selbst bestimmen können, worüber er wie viel und wie lange redet. Wer hören will, was passiert ist, sollte auch darauf gefasst sein, Schreckliches zu erfahren.
  • Sie sollten akzeptieren und Geduld haben, wenn sich der Betroffene gegenüber gut gemeinten Ratschlägen – zum Beispiel, einen Arzt zu Rate zu ziehen – uneinsichtig zeigt und sie nicht befolgt. Trotzdem sollten Sie den Gesundheitszustand des Betroffenen im Auge behalten und ihn immer wieder auf Hilfsmöglichkeiten hinweisen oder Ihre Hilfe bei der Suche nach Unterstützung anbieten.
  • Sie sollten ihr eigenes Seelenheil ständig im Auge behalten und selbst professionelle Hilfe für sich in Anspruch nehmen, wenn Sie merken, dass Sie der Situation nicht gewachsen sind.
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Info

Um Traumatisierte zu trösten, versuchen viele das zugrunde liegende Erlebnis und die Folgen daraus zu verharmlosen. Tröstungsversuche wie etwa „Du kommst schon darüber hinweg oder „Reiß Dich doch einfach zusammen“ wirken aber kontraproduktiv. Sie rufen bei dem Betroffenen Schuldgefühle und Selbstvorwürfe hervor, die die Erkrankung noch verschlimmern.

Auswirkungen von psychischen Einsatzfolgestörungen auf die Partnerschaft

Partnerinnen und Partner von Soldaten und Soldatinnen bekommen als engste Bezugspersonen von den Auswirkungen einer Einsatzfolgestörung am meisten zu spüren. Ein Traumaerlebnis kann die Fähigkeit, emotional für die Partnerin oder den Partner da zu sein, erheblich beeinträchtigen.

 

Auslandseinsätze sind oft für Partnerschaften per se schon eine Zerreißprobe. Nicht selten stehen sich die Partner nach der Rückkehr wie zwei Fremde gegenüber. Über Monate haben sie in verschiedenen Welten gelebt, die müssen erst wieder zusammenwachsen. Umso schwieriger wird das, wenn ein Partner mit einem traumatischen Erlebnis aus dem Einsatz zurückkommt. Gefühle und Verhaltensweisen, die ein Partner mit einer Einsatzfolgestörung haben und auslösen kann, bedeuten eine große Belastung für eine Partnerschaft.

SymptomProblem für den BetroffenenProblem für den Partner
Emotionale Taubheit• Kann kaum Gefühle der Zuneigung und Liebe ausdrücken.
• Kann mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer nicht angemessen umgehen.
• Fühlt sich persönlich zurückgewiesen.
• Fühlt sich nicht mehr geliebt.
Distanziertheit• Hat Schwierigkeiten, Nähe zu zeigen.
• Hat Probleme mit körperlicher Nähe und Sexualität.
• Vermisst das Gefühl, dem Partner nahe zu sein.
• Leidet unter gestörter Intimität/Sexualität.
Reizbarkeit, Unruhe, Launenhaftigkeit• Ist ständig in Alarmbereitschaft.
• Ist ständig am Grübeln
• Hat Schlafprobleme.
• Leidet unter Stimmungsschwankungen.
• Hat Angst vor Wutausbrüchen.
• Hat Angst vor verbalen oder körperlichen Angriffen.
• Fühlt sich durch unberechenbares Verhalten vernachlässigt oder verletzt.
Zurückgezogenheit• Behält seine Probleme für sich, um andere zu schonen.
• Beteiligt sich nicht am gemeinsamen Leben.
• Hat wenig Interesse an anderen Menschen oder Aktivitäten.
• Findet keinen Zugang zum Partner.
• Fühlt sich im Alltag allein gelassen.
• Zweifelt an Zusammengehörigkeit.
Vertrauensverlust gegenüber Mitmenschen• Hat Schwierigkeiten, enge menschliche Beziehungen zu anderen aufzubauen oder zu pflegen.
• Glaubt, dass niemand seine Gefühle nachempfinden kann.
• Glaubt, dass niemand ihm helfen kann.
• Aufbau und Pflege gemeinsamer sozialer Kontakte zu Familie und Freunden sind kaum möglich.
• Fühlt sich von wichtigem Lebensbereich ausgeschlossen.
• Fühlt sich im Fürsorgeverhalten zurückgewiesen.
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Info

Über ihre Einsatzerlebnisse sprechen traumatisierte Soldatinnen und Soldaten ungern mit Zivilisten – auch nicht mit den engsten Angehörigen. Einerseits wollen sie damit die Angehörigen schonen, andererseits gehen sie davon aus, das höchstens eine Kameradin oder ein Kamerad ihr Leid verstehen und nachvollziehen kann. Partnerinnen und Partner fühlen sich dann oftmals von einem wichtigen Lebensbereich ausgeschlossen. Sie wollen wissen, was dem Betroffenen widerfahren ist und wie es ihm geht.

Tipp

In den meisten Fällen ist es schwer für Paare, über das belastende Ereignis ins Gespräch zu kommen. Es empfiehlt sich, zunächst über neutrale Themen aus dem Einsatzland zu reden. Denkbar sind etwa Fragestellungen zu regionalen Gegebenheiten, zur Geografie oder zur Kultur des entsprechenden Landes. Fragen zu Einsatz- oder ereignisbezogenen Inhalten sollten zunächst ebenso tabu sein wie intensives Nachfragen nach Details zu dem belastenden Ereignis, es sei denn der Betroffene möchte von sich aus davon sprechen.

Wie Partnerinnen und Partner bei einer psychischen Einsatzfolgestörung helfen können

Einer Partnerin und einem Partner mit einer Traumatisierung Unterstützung zu geben heißt, dem Partner dabei zu helfen, dass er das eigene Leben wieder in den Griff bekommt. Es heißt nicht, dem Partner alle Entscheidungen, Aufgaben und Probleme abzunehmen.

 

Mit diesem Vorgehen zeigt der Partner seine Unterstützung:

Freiraum gewähren

Nach der Rückkehr aus dem Einsatz benötigen Soldatinnen und Soldaten Zeit und Raum, damit sie aufwühlende Erlebnisse verarbeiten und sich wieder zu Hause eingewöhnen können. Partner sollten Verständnis dafür aufbringen und sich bereit halten, falls der Betroffene ihre Hilfe benötigt, sich aber nicht aufdrängen.

Zuversichtlich sein

Für eine gemeinsame Zukunft ist es gut, darauf zu vertrauen, dass der Partner wieder gesund wird und sich die Lebenssituation zum Positiven verändern wird. Dazu gehört auch, dass der traumatisierte Partner so weit wie möglich in alltägliche Aufgaben einbezogen wird und die Möglichkeit hat, Entscheidungen selbst zu treffen. Dies verhindert, dass er sich zu Hause fremd fühlt oder Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags verliert.

Sicherheit vermitteln

Um wieder Vertrauen in sich und in andere Menschen gewinnen zu können, hilft es dem belasteten Partner, wenn er das Zuhause als einen sicheren Ort wahrnehmen kann. Dafür ist es wichtig, Versprechen einzuhalten, zu zeigen, dass man an der Beziehung festhält und hinter dem Partner steht, auch wenn der sich nicht immer wunsch- oder erwartungsgemäß verhält.

Stabilität schaffen

Routine im Alltag erleichtert es dem Betroffenen, wieder die Kontrolle über sein Leben zu bekommen. Feste Essens- und Bettgehzeiten können dazu beitragen oder auch die Verteilung von Aufgaben.

Zuneigung und Unterstützung ausdrücken

Eine zärtliche Berührung, ein paar nette Worten oder kleine Gefälligkeiten zeigen dem Partner, dass man für ihn da ist.

Gesprächsbereit sein

Damit man das Verhalten des Partners richtig einschätzen kann, ist es wichtig, über Gefühle, Frustrationen und Ängste zu sprechen. Die Basis für ein gutes Gespräch sind gegenseitiges Vertrauen, der respektvolle Umgang mit den Gefühlen des Gegenübers sowie Mitgefühl (nicht Mitleid) beim Zuhören und Reden. Wichtig ist es, dem belasteten Partner zuhören zu können, wenn er über seine Erlebnisse berichten will, ihn zum Reden aber nicht zu zwingen.

Verletzungen vermeiden

Bevor eine Situation eskaliert und verletzende Worte gesagt werden oder es gar zu Handgreiflichkeiten kommt, ist es besser, das Gespräch zu unterbrechen und sich eine Auszeit zu nehmen. Das Gespräch kann dann fortgesetzt werden, wenn sich die Situation wieder beruhigt hat.

Intimität neu definieren

Durch die Belastungen in Rahmen einer PTBS können Sexualität, Zärtlichkeit und Intimität gestört sein. Dann gilt es, andere Formen körperlicher Nähe zu entdecken und wertzuschätzen. Zum Beispiel: sich umarmen, küssen, sich einander in den Armen halten.

Mut machen

Braucht der traumatisierte Partner professionelle Hilfe, sollte er immer wieder ermutigt werden, Hilfsangebote wahrzunehmen. Unterstützende Partner können bei der Suche nach geeigneten Angeboten behilflich sein oder den Betroffenen zu einem Beratungsgespräch begleiten.

Tipp

In der Partnerschaft gut zu kommunizieren ist wichtig, aber gerade in einer Krisensituation nicht immer einfach. In unserem Ratgeber haben wir Tipps für eine gute Kommunikation zwischen Partnern zusammengestellt.

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Wichtig

Zu den Symptomen einer PTBS gehören auch Suizidgedanken (Selbsttötungsabsichten). Äußert ein Partner akute Suizidgedanken, sollte umgehend der Rettungsdienst über die kostenfreie Telefonnummer 112 gerufen werden.

Im Folgenden haben wir ein paar Ratschläge zusammengestellt, die das Zusammenleben mit einem einsatzgeschädigten Partner erleichtern können:

  • Haben Sie Geduld: Es braucht einige Zeit, sich auf das Zusammenleben mit einem traumatisierten Partner einzustellen. Auch mit einer Psychotherapie verschwinden die Symptome einer Einsatzfolgestörung nicht von heute auf morgen.
  • Nehmen Sie unverständliches Verhalten des Partners nicht persönlich.
  • Gehen Sie Kompromisse für das Miteinander ein, aber nehmen Sie nicht alles kritiklos hin.
  • Lassen Sie nicht zu, dass das gemeinsame Leben nur noch von der Krankheit bestimmt wird.
  • Bestimmen Sie Ihre eigenen Grenzen der Hilfsbereitschaft und des Entgegenkommens. Teilen Sie diese dem Partner unmissverständlich mit und lassen Sie sich nicht dazu verleiten, diese Grenzen zu überschreiten.
  • Verlieren Sie nicht Ihren Humor.
  • Scheuen Sie nicht davor zurück, selbst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie sich mit der Situation überfordert fühlen.

 

Mögliche Hilfeleister in Partnerschaften mit psychisch belasteten Soldaten können sein:

  • Verwandte und Freunde,
  • Partnerinnen und Partner von anderen Soldatinnen und Soldaten,
  • psychotherapeutische Beratungsstellen,
  • Paartherapeuten,
  • Selbsthilfegruppen.

Partner müssen sich selbst schützen

Es erfordert Kraft und Ausdauer, für eine Partnerin oder einen Partner mit einer psychischen Erkrankung da zu sein. Damit nicht eines Tages die Kraft versiegt und die eigene seelische Gesundheit auf der Strecke bleibt, sollte jeder das eigene Wohlbefinden nicht vernachlässigen.

Viele trauen sich nicht, es sich selbst gut gehen zu lassen, wenn der Partner leidet. Es ist aber für jeden wichtig, gesund zu bleiben. Wer selbst ausgelaugt und erschöpft ist, kann anderen nicht helfen.

Tipp

Diese Maßnahmen helfen, die eigene Gesundheit zu fördern:

  • regelmäßig Auszeiten zur Entspannung nehmen,
  • Kontakt zu guten Freunden und zu Verwandten halten,
  • Sport treiben,
  • Wohlfühlprogramme durchführen wie Sauna, ein Bad nehmen, ein Buch lesen.
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Wichtig

Im Rahmen einer PTBS ist es möglich, dass der Betroffene gewalttätig wird. Dies sollte in keinem Fall entschuldigt oder toleriert werden. Verhält sich ein Partner gewalttätig, ist es das Wichtigste, sofort sich selbst in Sicherheit zu bringen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Häusliche Gewalt.

Auswirkungen von psychischen Einsatzfolgestörungen auf Familie und Kinder

In einer Familie mit Kindern und Jugendlichen ist es für alle eine große Herausforderung, mit den Folgen einer Einsatzfolgestörung bei einem Elternteil zu leben. Jedes Familienmitglied reagiert auf die Veränderungen auf seine ganz individuelle Art. Das hat Auswirkungen auf das Beziehungsgefüge untereinander. Eine bisher gut funktionierende Familienstruktur kann dabei leicht aus dem Gleichgewicht geraten.

 

Die erkrankte Person kann sich zu Hause fremd fühlen, im Familienverbund nicht mehr wie gewohnt oder wie gewünscht funktionieren. Vielen gelingt es nicht mehr, die bisher in der Familie innegehabte Rolle als Partner, Vater oder Mutter auszufüllen. Sie ziehen sich aus dem Familienleben zurück, nehmen nicht mehr an Familienfeiern teil oder begleiten die Kinder zu schulischen Aktivitäten.

Um den Betroffenen vor weiteren Belastungen zu schonen, übernehmen andere Familienmitglieder dessen Aufgaben, stecken eigene Bedürfnisse zurück und geraten mitunter selbst in seelische Bedrängnis.

Eltern können aufgrund der eigenen Krisenbewältigung mit der Erziehungsarbeit überfordert sein. Die eigene Hilflosigkeit sowie Uneinigkeit zwischen den Eltern führen häufig zu einem Erziehungsstil, der sich ungünstig auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Unter übermäßiger Kontrolle oder überfürsorglicher Betreuung  wachsen dann Kinder beispielsweise zu überängstlichen oder sozial zurückgezogenen Persönlichkeiten heran.

 

Kinder reagieren möglicherweise verwirrt und verängstigt auf die unverständlichen Verhaltensweisen, die der geliebte Papa, die geliebte Mama plötzlich an den Tag legen.

Im Extremfall lösen etwa im Rahmen einer PTBS auftretende Flashbacks bei dem betroffenen Elternteil aggressives Verhalten aus, das den Familienfrieden dauerhaft stören oder gar in häusliche Gewalt münden kann. Eine solche Situation überfordert viele Familien und kann dazu führen, dass weitere Familienmitglieder psychisch erkranken.

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Info

Für Familienangehörige von Soldatinnen und Soldaten gibt es vielfältige Hilfsangebote, wenn sie mit den belastenden Situationen vor, während oder nach einem Auslandseinsatz nicht alleine zurechtkommen. Zugänglich sind sie über das Netzwerk der Hilfe oder unser Verzeichnis der Hilfsangebote für Angehörige. Niemand sollte zögern, bei Bedarf dort Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Kinder müssen Veränderungen im Verhalten eines psychisch belasteten Elternteils für sich erst einordnen lernen

Die Belastung eines Elternteils mit einer Einsatzfolgestörung kann die Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen oder negativ beeinflussen, muss es aber nicht. Ob ein Kind seine Erfahrungen mit einem psychisch belasteten Elternteil dauerhaft unbeschadet verarbeitet, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie innerhalb der Familie mit der psychischen Belastung umgegangen wird.

 

Die folgende Tabelle zeigt einige Beispiele dafür, welcher familiäre Umgang mit psychischen Problemen eine Elternteils sich auf Kinder positiv und welcher sich negativ auswirkt.

Positive Auswirkung

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Im Familienkreis wird offen über die Ursache der Traumatisierung, deren Auswirkung auf den traumatisierten Elternteil und die Folgen auf das Familienleben gesprochen.

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Kinder erhalten ihrem Alter und Reifegrad entsprechend Informationen zu dem traumatischen Erlebnis.
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Kinder können ihre Ängste, Emotionen und Bedürfnisse frei äußern und werden damit ernst genommen.

Negative Auswirkung

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Die Eltern versuchen, die Probleme des traumatisierten Elternteils vor den Kindern zu vertuschen. Es wird nicht darüber gesprochen.
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Kinder werden mit allen gefährlichen und angsteinflößenden Details aus dem Trauma konfrontiert.
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Kinder werden mit ihren Emotionen alleine gelassen oder für Gefühlsausbrüche gemaßregelt.

Ein traumatisierter Elternteil bringt die Gefühlswelt eines Kindes durcheinander

Ein großes Problem kann Kindern die richtige Einordnung ihrer Gefühle bereiten, die im Zusammenhang mit dem traumatisierten Elternteil entstehen. Das Spektrum ihrer Gefühlswelt reicht von liebend, besorgt und  beschützend bis hin zu verärgert, verängstigt oder auch wütend.

Oft können Kinder nicht verstehen, weshalb sich der traumatisierte Elternteil beispielsweise nicht mehr mit ihnen beschäftigt oder sich gegenüber ihnen und den anderen Familienmitgliedern aggressiv verhält.

Tipp

Kindern hilft es, wenn sie erfahren, was geschehen ist und warum es geschehen ist.

In Folgenden sind einige Beispiele aufgeführt, welche Gefühle Kinder von psychisch belasteten Soldatinnen und Soldaten haben können

  • Kinder fühlen sich vernachlässigt oder nicht mehr geliebt.
  • Kinder leiden mit dem erkrankten Elternteil, bis sie selbst seelisch krank werden.
  • Kinder befürchten, dass der erkrankte Elternteil nicht mehr für sie interessiert, keine Zeit mehr mit ihnen verbringen will oder nicht mehr für sie sorgen kann.
  • Kinder fühlen sich schuldig für den Zustand des erkrankten Elternteils oder die daraus resultierenden Probleme in der Familie.

 

Kinder haben ein noch größeres Problem als Erwachsene damit, Gefühle wahrzunehmen, sie richtig  einzuordnen, darüber zu reden und sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Dies zu lernen ist für die emotionale Entwicklung eines Kindes aber sehr wichtig. Gerade Elternteile mit einer PTBS sind kaum in der Lage, mit ihren eigenen Gefühlen und denen anderer Menschen adäquat umzugehen. Selbst ihren eigenen Kindern können sie oft nur mit emotionaler Taubheit begegnen.

Kinder können selbst krank werden

Werden Kinder mit ihren Gefühlen von Hilflosigkeit, Traurigkeit, Wut oder Angst alleine gelassen, besteht die Gefahr, dass sie problematische Verhaltensweisen entwickeln. Sie können ungehorsam, aggressiv oder mit Rückzug reagieren. Die Eltern wiederum erkennen dahinter oft nicht die Bedrängnis, in der das Kind steckt. Statt mit mehr Zuwendung reagieren sie mit Maßregelung oder Bestrafung. Ein Teufelskreis entsteht, der bald kaum noch zu durchbrechen ist.

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Wichtig

Kinder brauchen erwachsene Personen, mit denen sie über ihre Gefühle sprechen können und die ihnen helfen, ihre Gefühle zu verstehen. Für ihre Entwicklung ist es wichtig, dass sie lernen, angemessen mit ihren Gefühlen umzugehen. Sind beide Elternteile dazu nicht in der Lage, sollten sie eine andere erwachsene Person, zu der das Kind Vertrauen hat, darum bitten, diese Aufgabe zu übernehmen. Dies kann beispielsweise eine Patentante, ein Onkel oder eine gute Freundin der Familie sein.

Kinder, denen die psychische Belastung eines Elternteils zusetzt, können diese Reaktionen zeigen:

  • Sie verhalten sich wie der erkrankte Elternteil, zeigen ähnliche Symptome. Sie sind beispielsweise leicht reizbar, ängstlich oder schwierig im Umgang. Dahinter steckt das Bedürfnis, eine engere Beziehung zu dem erkrankten Elternteil zu bekommen.
  • Sie übernehmen in der Familie teilweise Rollen und Pflichten des erkrankten Elternteils. Damit könnten sie zu erwachsen für ihr Alter handeln und eine Überforderung empfinden.
  • Sie zeigen regressives Verhalten, entwickeln sich scheinbar zurück. Bettnässen, Trotz- und Wutanfälle sind beispielhaft dafür.
  • Sie beziehen die Probleme des erkrankten Elternteils auf sich und glauben, sie seien für dessen Erkrankung verantwortlich.
  • Sie haben Probleme in der Schule oder in den Beziehungen innerhalb ihres Freundeskreises.

Was Kindern hilft, mit der psychischen Erkrankung eines Elternteils umzugehen

Kinder sollten im Familienkreis viel Zuwendung, Liebe, Geborgenheit und Aufmerksamkeit erfahren. Gleichzeitig muss darauf geachtet und sichergestellt werden, dass die Entwicklung des Kindes durch die psychischen Erkrankung eines Elternteils nicht maßgeblich gestört wird. Dazu gehört, dass es regelmäßig die Schule besucht und in die schulischen und anderen sozialen Aktivitäten mit anderen Kindern eingebunden bleibt.

Kinder von Schuldgefühlen befreien: Sehr wichtig ist es, einem Kind klarzumachen, dass das Verhalten des traumatisierten Elternteils mit dem Trauma zusammenhängt und nicht die Schuld des Kindes ist. Kinder sollten die Möglichkeit bekommen und dazu angeleitet werden, selbst über ihre Ängste und Sorgen zu reden. Diese Gefühle müssen Eltern ernst nehmen und akzeptieren und dem Kind helfen, mit dem Stress umzugehen.

In der folgenden Tabelle sind einige Beispiele für Aktivitäten aufgelistet, die Kindern helfen, ihren Stress in den Griff zu bekommen:

AktivitätAuswirkung
Laufen gehen, Sport machen.Baut Ärger und Stress ab.
Zeichnen, Schreiben.Hilft, sich selbst auszudrücken.
AtemübungenLassen zur Ruhe kommen und entspannen.
Tagebuch schreiben.Hält Ereignisse fest und ermöglicht es, die dabei aufkommenden Gefühle und Erfahrungen zu reflektieren.
Kindern Sicherheit und Stabilität geben: Vertraute Rituale können gerade in schwierigen Zeiten auch Kindern das Gefühl von Halt und Stabilität geben. Deshalb sollten Gewohnheiten und Routinen innerhalb der Familie so weit wie möglich beibehalten werden.

Diese Rituale vermitteln Kindern Stabilität:

  • ein geregelter Tagesablauf;
  • regelmäßige gemeinsame Essenszeiten;
  • gemeinsame Aktivitäten im Familienkreis, zum Beispiel Spielenachmittage oder Ausflüge;
  • Rituale beim Zubettgehen;
  • Besuche bei den Großeltern.
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Info

Je mehr Normalität im Familienleben möglich ist, desto besser können Kinder mit den zusätzlichen Belastungen durch einen Elternteil mit einer psychischen Einsatzfolgeerkrankung zurechtkommen.

Professionelle Hilfe hinzuziehen: Kommen Kinder mit den Belastungen nicht klar und zeigen sie Veränderungen, die zur Sorge Anlass geben, sollte unverzüglich professioneller Rat beim Hausarzt, Kinderarzt oder einer psychosozialen Fachkraft eingeholt werden.

Diese Anzeichen und Symptome deuten darauf hin, dass ein Kind professionelle Hilfe benötigt:

  • Konzentrationsschwierigkeiten;
  • Probleme damit, bei üblichen Aufgaben oder Übungen in der Schule mitzumachen;
  • intensive emotionale Reaktionen: zum Beispiel anhaltendes Weinen, intensive Traurigkeit, Launenhaftigkeit;
  • depressives Verhalten, zurückgezogen oder unkommunikativ sein, wenig sprechen;
  • gewalttätige oder depressive Gefühle, die sich in „finsteren“ Zeichnungen oder Schriften äußern können;
  • deutliche Zu- oder Abnahme des Körpergewichts;
  • Mangel an Aufmerksamkeit hinsichtlich persönlichem Aussehen oder Hygiene;
  • große Veränderungen bei sozialen Aktivitäten oder Freundschaften;
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch.
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Wichtig

In den folgenden Fällen ist es dringend notwendig, mit dem Kind einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen.

  • Das Kind tut sich vorsätzlich weh, verletzt oder schneidet (ritzt) sich.
  • Das Kind steht offensichtlich kurz davor, andere zu verletzen.
  • Das Kind äußert Gedanken, die mit Selbstmord zu tun haben.
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Info

Sind bei einem Kind psychotherapeutische Maßnahmen erforderlich, kommt eine individuelle Beratung und Therapie infrage. Es gibt speziell ausgebildete Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. In vielen Fällen ist eine Familientherapie empfehlenswert, die den von einer Einsatzfolgestörung betroffenen Elternteil unterstützt und den anderen Familienmitgliedern hilft, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

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Wichtig

Die Nummer gegen Kummer unter der kostenlosen Telefonnummer 116 111 ist ein Hilfsangebot, über das Kinder und Jugendliche Beratung und Hilfe bei allen Fragen, Sorgen und Problemen erhalten.

Tipp

Für Kinder von Soldatinnen und Soldaten gibt es zum Thema Auslandseinsatz und PTBS zwei Kinderbücher:

Karl, der Bärenreporter ist für junge Kinder gedacht. Es soll in kindgerechter Sprache die Umstände eines Auslandseinsatzes erklären und den Kleinen eine Vorstellung davon vermitteln, was Mama und Papa im Einsatzland erleben.

 

Schattige Plätzchen – Mein Papa hat PTBS ist für Kindern im Alter von 4 bis 14 Jahren konzipiert und soll Kindern helfen, die Zusammenhänge zwischen Auslandseinsatz, Traumatisierung und den daraus resultierenden Veränderungen für das Familienleben zu verstehen. Es ist über die Evangelischen Militärpfarrämter in den Standorten kostenlos für Betroffene und deren Familien erhältlich.

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Achtung

Auf der Bundeswehrwebsite ist dazu ein „Warnhinweis“:

Wir empfehlen den Eltern jedoch nachdrücklich, das Kinderbuch ausschließlich unter Begleitung durch Fachleute mit ihren Kindern durchzugehen und es nicht alleine zu verwenden.

Gefahren für Angehörige

Es kann sein, dass Angehörige von Soldatinnen und Soldaten mit einer psychischen Einsatzfolgeerkrankung nach einer gewissen Zeit ähnliche Symptome entwickeln wie sie die erkrankte Person zeigt. Möglicherweise nehmen die Angehörigen schlechte Angewohnheiten der erkrankten  Person an: Rauchen, Trinken, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel. Dahinter steckt das Bedürfnis, dem Betroffenen nahe sein oder ihm Gesellschaft leisten zu wollen.

 

Darüber hinaus können auch Symptome einer psychischen Einsatzfolgeerkrankung negative Auswirkungen auf Angehörige haben. Einige Beispiele dafür zeigt die folgende Tabelle.

Problem des BetroffenenProblem für Angehörige
• Hat aufwühlende Albträume und Erinnerungen.• Leidet unter häufigen Schlafunterbrechungen.
• Hat Schlafprobleme.• Reagiert dem übermüdeten und sensiblen Betroffenen gegenüber übervorsichtig und übervorsorglich.
• Entwickelt selbst Schlafstörungen.
• Zeigt Anzeichen von sozialer Isolation.• Fühlt sich zurückgewiesen und alleingelassen.
• Entwickelt depressiv gedrückte Stimmung.
• Wirkt leicht irritierbar oder wütend (z. Bsp. durch aggressives Autofahren).• Fühlt sich ängstlich und angespannt.
• Agiert übervorsichtig (z. Bsp. nur noch auf Zehenspitzen laufen).
• Hält schlechte Nachrichten vor Betroffenem zurück, um den Frieden zu wahren.
• Wirkt immerzu aufmerksam.
• Sucht nach Gefahren.
• Ist schreckhaft.
• Nimmt ähnliche Haltung an, wird hochaufmerksam und gestresst.
• Entwickelt erhöhte Angst vor möglichen Gefahren.
• Schränkt zunehmend Auswahl von Unternehmungen ein.
• Betäubt Symptome mit Suchtmitteln, Alkohol, Medikamenten.• Übernimmt immer mehr Aufgaben und Verantwortung für den Betroffenen.
• Behält Geheimnisse für sich, um den Suchtmittelmissbrauch des Betroffenen zu verheimlichen.
• Erfindet Dritten gegenüber Ausreden oder Lügen für das suchtbedingte Verhalten des Betroffenen.

Tabelle: Welche Auswirkungen Symptome einer Einsatzfolgeerkrankung auf die Gesundheit von Angehörigen haben können

Wann es zu einer Mitleidserschöpfung kommt

Bezugs- oder Pflegepersonen von erkrankten Menschen können eine Mitleidserschöpfung (auf Englisch Compassion Fatigue) bekommen. Sie empfinden dann selbst Erschöpfung, Kummer und Leid oder beschäftigen sich übermäßig mit dem Leid der Person, um die sie sich kümmern. Einige Symptome der Mitleidserschöpfung können denen der PTBS sehr ähnlich sein.

 

Bei Menschen, die sich um einen von einer psychischen Einsatzfolgestörung Betroffenen kümmern, macht sich eine Mitleidserschöpfung auf folgende Weise bemerkbar:

  • Sie denken häufig an den Angehörigen, machen sich Sorgen um ihn, sind über seine traumatische Erfahrung aufgebracht.
  • Sie leiden unter Schlafmangel oder aufwühlende Träume, die mit dem Trauma des Angehörigen zusammenhängen.
  • Sich fühlen sich einen Großteil der Zeit über erschöpft oder schwach.
  • Sie haben Schwierigkeiten beim Einschlafen.
  • Sie sind leicht irritierbar oder verärgert, auch wegen Kleinigkeiten.
  • Sich fühlen sich hoffnungslos, bedrückt, eingeengt, verärgert über den Zustand des eigenen Lebens.
  • Sie empfinden weniger Mitgefühl und Interesse für andere.

 

Einer Mitleidserschöpfung vorbeugen

Um einer Mitleidserschöpfung vorzubeugen, sollte die pflegende Person regelmäßig eine Auszeit von der Belastungssituation nehmen und Selbstfürsorge betreiben. Dazu gehört es, das eigene Wohl so oft wie möglich in den Mittelpunkt zu rücken und Zeit mit Aktivitäten und Menschen zu verbringen, die für das Seelenheil gut tun.

 

Wichtige Maßnahmen zur Selbstfürsorge sind

  • für genügend Schlaf sorgen;
  • auf gesunde Ernährung achten;
  • regelmäßige sportliche Betätigung: schon 10 Minuten Sport am Tag können zu Stressreduktion und zu mehr Energie führen.

 

Darüber hinaus ist es ratsam, immer wieder das eigene Befinden auf den Prüfstand zu stellen und nach Möglichkeiten der Entlastung zu suchen.

 

Entlastende Maßnahmen für die Bewältigung des Alltags können sein:

Verantwortung teilen

Es muss nicht alles einer alleine machen. Meist finden sich im familiären Umfeld oder Freundeskreis Personen, die einen Teil der Verantwortung und Aufgaben übernehmen können und wollen.

Aufgaben vereinfachen

Möglicherweise gibt es Mittel und Wege, wie sich täglich wiederkehrende Routinen vereinfachen lassen.

Ausgleich finden

Aktivitäten auf spiritueller, religiöser oder ehrenamtlicher Basis helfen vielen Menschen, Trost, Sinn und ein Gefühl der Verbindung zu erfahren.

Dazulernen

Die Teilnahme an Kursen wie zum Beispiel Stressmanagement, Aggressionsbewältigung, Paarkommunikation oder Elternseminare kann Perspektiven für den besseren Umgang mit Problemen aufzeigen.

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Info

Angehörige von Bundeswehrangehörigen mit einer psychischen Einsatzfolgeerkrankung, die Unterstützung benötigen, finden über das Netzwerk der Hilfe oder unsere Hilfsangebote für Angehörige geeignete Kontakte.

Häusliche Gewalt

Eine Traumatisierung kann dazu führen, dass der Betroffene die Kontrolle über die belastenden Gefühle wie Ärger oder Wut verliert und sich selbst oder andere verletzt. Dabei kann es zu verbalen oder körperlichen Übergriffen kommen: lautes Schreien, Stoßen oder Schubsen. Ein Vorgehen, das unter häusliche Gewalt fällt.

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Info

Häusliche Gewalt beschreibt gewalttätige Übergriffe innerhalb einer aktuellen, sich auflösenden oder aufgelösten partnerschaftlichen Beziehung oder zwischen Personen, die in einem Angehörigenverhältnis zueinander stehen und/oder in einem Haushalt leben. Die Gewalttat kann körperlicher, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Art sein.

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Wichtig

Bei einer akuten Bedrohung von häuslicher Gewalt sollte zum eigenen Schutz umgehend die Polizei unter der kostenfreien telefonischen Notrufnummer 110 gerufen werden.

Frauen, die Gewalt erleben, können sich über das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der kostenfreien Telefonnummer 08000 – 116 016 beraten und helfen lassen. 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, vertraulich, anonym.

Gewaltübergriffe sollten in keinem Fall entschuldigt und toleriert werden. Auch dann nicht, wenn die gewalttätig werdende Person unter psychischem Stress steht. Dennoch finden Angriffe häuslicher Gewalt oft lange Zeit im Verborgenen statt. In vielen Fällen entsteht eine Spirale aus Entschuldigungs- und Versöhnungsbezeugungen sowie erneuten Gewaltausbrüchen, bevor die angegriffene Person den Mut aufbringt, die Polizei einzuschalten oder andere Hilfsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.

 

Familienangehörige einer zu Gewaltanwendung neigenden Person sollten zu ihrer eigenen Sicherheit auf jeden Fall einen Notfallplan erarbeiten, damit sie im Ernstfall schnell reagieren können. Dabei ist es wichtig, die Maßnahmen einzuüben und regelmäßig auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen.

 

In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten Eckpunkte für einen Notfallplan bei häuslicher Gewalt aufgelistet:

  • Finden Sie einen sicheren Ort in Ihrem Zuhause, den Sie aufsuchen können, wenn sich ein Konflikt zu sehr aufheizt.
  • Meiden Sie Orte, in denen sich potenziell gefährliche Gegenstände befinden, zum Beispiel die Küche.
  • Meiden Sie Orte, die keinen Ausgang haben, zum Beispiel ein Bad oder ein Wandschrank.
  • Denken Sie sich ein Codewort aus, das den Menschen Ihres Vertrauens als Notsignal dient. Teilen Sie diesen Menschen im Vorfeld mit, dass sie sofort Hilfe holen sollen, sobald Sie dieses Codewort benutzen.
  • Packen Sie eine Tasche mit wichtigen Dingen, für den Fall, dass Sie einmal schnell gehen müssen. Dazu gehören: Kopien wichtiger Unterlagen: Ausweise, Führerschein, Gesundheitskarte, Geburtsurkunde, gegebenenfalls medizinische Unterlagen, in denen vorherige Verletzungen dokumentiert sind. Legen Sie etwas Bargeld zur Seite. Verstecken Sie all diese Gegenstände an einem Ort, wo sie Ihr Partner nicht finden kann.
  • Erstellen Sie eine Liste von Personen und Organisationen, die Sie in einem Notfall anrufen können. Lernen Sie wichtige Telefonnummern auswendig, für den Fall, dass Sie einmal Ihr eigenes Telefon nicht dabeihaben.
  • Vertrauen Sie sich jemandem an. Sie müssen keine Details besprechen, doch es ist gut, wenn eine Person die Grundzüge Ihrer Schwierigkeit kennt und Sie in Zukunft deren Unterstützung in Anspruch nehmen können.
  • Überlegen Sie, ob Sie eventuell mit Ihren Nachbarn vereinbaren wollen, dass diese die Polizei rufen sollen, falls sie laute Geräusche oder eine Auseinandersetzung aus Ihrer Wohnung hören.
  • Überlegen Sie sich, ob Sie mit einem Vorgesetzten auf Ihrer Arbeitsstelle sprechen wollen, damit er Ihnen bei Sicherheitsplanungen auf der Arbeit helfen kann.

Leben Kinder im Haushalt, sollten auch für diese Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden:

  • Nennen Sie dem Kind einen sicheren Ort, an den es gehen kann, wenn sich Konflikte zu Hause aufheizen. Üben Sie Fluchtwege mit Ihrem Kind.
  • Bringen Sie dem Kind bei, wen es bei Notfällen anrufen kann. Helfen Sie ihm, wichtige Notfalltelefonnummern auswendig zu lernen. Erklären Sie ihm sehr klar verständlich, wie und wann es Hilfe holen soll.
  • Einige Kinder könnten versuchen, bei einem Streit oder Kampf zwischen den Eltern dazwischenzugehen, um einen Elternteil zu beschützen. Dabei besteht die Gefahr, dass das Kind selbst verletzt wird. Bringen Sie dem Kind bei, dass es sich nicht in einen Streit einmischen soll. Sagen Sie dem Kind, was es tun kann, wenn ein schwerer Streit ausbricht: an einen sicheren Ort gehen und Notfalltelefonnummern anrufen.
  • Sprechen Sie mit dem Kind und hören Sie ihm zu. Die meisten Kinder wollen eine Gelegenheit haben, darüber zu sprechen, was sie fühlen. Versuchen Sie ehrlich über die Lage zu sprechen, ohne das Kind dabei zu verängstigen. Ein Kind möchte sicher sein, dass es Ihnen glauben und vertrauen kann.
  • Erklären Sie dem Kind, dass die gewalttätige Auseinandersetzung nicht seine Schuld ist und dass es nicht für das Verhalten von Erwachsenen verantwortlich ist.
  • Erinnern Sie das Kind immer wieder daran, dass Gewalt falsch ist und keine Probleme löst.
  • Suchen Sie Hilfe für das Kind, wenn Sie selbst nicht in der Lage sind, die Konflikte im Familienkreis zu lösen.
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Wichtig

Wer häusliche Gewalt befürchtet, sollte sich ein ganz persönliches Unterstützungsnetzwerk aufbauen. Dazu gehört eine Liste mit Kontaktdaten zu allen vertrauenswürdigen Menschen und Institutionen, deren Hilfe Sie in Anspruch nehmen können und wollen. Halten Sie diese Liste stets auf aktuellem Stand. So haben Sie schnell Zugriff auf ein funktionierendes Hilfenetzwerk, wenn Sie akut Hilfe benötigen.