Die Seelen von Soldatinnen und Soldaten sind besonderen Belastungen ausgesetzt

Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind seit 1991 weltweit an militärischen Einsätzen beteiligt. Für Frieden zu sorgen, ihn herzustellen oder für seine Einhaltung einzutreten ist ihr Auftrag. Ein solcher Einsatz geht an Körper und Seele nicht immer spurlos vorüber. Einige kehren nicht lebend in die Heimat zurück, manche tragen körperliche oder seelische Verwundungen davon.

 

Rund 4.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr befanden sich im November 2019 in einem Auslandseinsatz, meldet das Internetportal der Bundeswehr. Sie alle, ihre Vorgänger sowie nachfolgende Kameradinnen und Kameraden sind besonderen Belastungen ausgesetzt.

 

Spezielle Belastungen, die ein Auslandseinsatz für Soldatinnen und Soldaten mit sich bringt, sind beispielsweise:

  • Die Lebensbedingungen in den Einsatzländern sind oftmals schwierig.
  • Das Erleben von Gewaltakten am eigenen Leib oder an Kameraden kann zu einer schweren Traumatisierung führen.
  • Die Konfrontation mit moralisch belastenden Situationen wie Armut, Gewalt oder Leid im Einsatzland sowie die eigene Hilflosigkeit demgegenüber kann das bisherige Wertesystem durcheinanderbringen oder auf den Kopf stellen.
  • Häufige Teilnahme an Auslandseinsätzen und längere Abwesenheitszeiten belastet das Familienleben im Heimatland.
  • Nicht sichtbare Wunden durch psychische Erkrankungen sind häufig schwerer hinzunehmen als körperliche Verwundungen.
  • Das Eingeständnis von Schwäche und Hilfebedarf passt nicht zum Soldatenberuf.
  • Der Rückhalt im privaten Umfeld und in der Bevölkerung für Auslandseinsätze der Bundeswehr lässt mitunter zu wünschen übrig.
  • Es besteht ein hohes Risiko, das einsatzbedingte psychische Erkrankungen erst viele Jahre nach einem traumatisierenden Erlebnis eintreten.

 

Erlebnisse und Erfahrungen, die im Rahmen eines Auslandseinsatzes gemacht werden, können nicht immer und nicht von allen teilnehmenden Kameradinnen und Kameraden gleich gut verarbeitet werden. Sind die psychischen Belastungen zu groß und kann sich die Seele von dem Erlebnis nicht mehr erholen, besteht die Gefahr, dass sich ein Trauma entwickelt und eine psychische Erkrankungen (z.B. eine posttraumatische Belastungsstörung) nach sich zieht.

Was ein Trauma ist

Ein Trauma kann aus einem kurzfristigen Ereignis entstehen, das als lebensbedrohlich wahrgenommen wird, oder auch aufgrund einer länger andauernden außergewöhnlichen Stresssituation. Soldatinnen und Soldaten macht vor allem das Erleben von Terroranschlägen und kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auch das Wahrnehmen von Leid in der Bevölkerung im Einsatzland zu schaffen. Darüber hinaus bietet die gesamte Lebenssituation rund um das Einsatzgeschehen im beruflichen wie privaten Umfeld genügend Angriffsfläche, um ein Trauma zu erleiden.

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Info

Der Begriff Trauma (Plural: Traumata) kommt aus dem Griechischen und bedeutet Verletzung, Wunde.

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat Trauma mehrere Bedeutungen:

  • In der Psychologie: seelische Verletzung;
  • In der Medizin: körperliche Verletzung durch einen Unfall oder Gewalteinwirkung;

als Trauma werden sowohl das auslösende Ereignis als auch die körperlichen oder seelischen Symptome bezeichnet, die durch das Ereignis hervorgerufen werden.

Die Anzahl einsatzbedingter psychischer Erkrankungen nimmt zu

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Die Anzahl der Soldatinnen und Soldaten, die an einer seelischen Verletzung leiden, die durch einen Auslandseinsatz hervorgerufen wird, nimmt kontinuierlich zu. Nach dem Jahresbericht des Wehrbeauftragten aus dem Jahr 2019 waren 2019 insgesamt 982 Soldatinnen und Soldaten aktuell an einer einsatzbedingten psychischen Störung erkrankt. 2018 waren dies 867, 2017 waren es 784. Diese Zahlen belegen auch, so die Ausführungen zu dem Bericht, dass eine einsatzbedingte psychische Erkrankung nicht kurzfristig therapierbar ist, sich die Behandlung stattdessen über mehrere Jahre hinziehe.

 

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Anzahl der Soldatinnen und Soldaten, die die sich innerhalb der letzten drei Jahr erstmals wegen einer einsatzbedingten psychischen Neuerkrankungen in fachärztliche Behandlung begeben haben.

JahrNeuerkrankungen insgesamtDavon PTBSDavon andere psychische Erkrankungen
2019290183107
201827918297
2017274170104

Man geht davon aus, dass etwa drei Prozent aller Soldatinnen und Soldaten im Einsatz eine PTBS erleiden, allerdings nur die Hälfte davon diagnostiziert wird.